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Unvollständiges kommentiertes Literaturverzeichnis zum Thema
"Überlichtgeschwindigkeit durch Tunneln"
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Diese Seite wird in absehbarer Zeit nicht mehr
aktualisiert. Die letzten etwas aktuelleren Artikel (Stand 2001) sind
unten angefügt.
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Nachdem die Behauptung, die Lichtgeschwindigkeit (im folgenden LG)
als oberste
Geschwindigkeitsgrenze für Signale bzw. Energie
sei gebrochen, des öfteren in vereinfachter und
tlw. entstellter Form, aber selten mit dem Verweis auf Hintergrundinformationen
in Usenet-Newsgruppen auftaucht, habe ich hier versucht, zumindest
die wichtigsten Quellen kommentiert zusammenzustellen. Eigentlich hatte/habe
ich vor, irgendwann mal einen Einführungstext zu dem Thema zu
schreiben (falls das schon jemand gemacht hat, wäre ich für
die entsprechenden http-Adressen dankbar,
schreibt mir eine
mail), bis ich dafür die Zeit finde will ich wenigstens
die Verweise auf die Literatur irgendwo ablegen, und so kam diese
Seite zustande. Das meiste, auf das ich hier verweise, ist Fachliteratur,
die physikalische Vorkenntnisse voraussetzt. Allerdings haben fast alle
Fachartikel eine Zusammenfassung (einen abstract ) am Anfang,
der man entnehmen kann, worum es in dem Artikel im wesentlichen geht.
Diese Literaturliste gibt sicher keine vollständige Übersicht
über die relevanten Artikel, sondern spiegelt lediglich wieder,
was mir bei meiner Beschäftigung mit dem Thema bislang über
den Weg gelaufen ist - als Startpunkt für jemanden, der sich mit dem
Thema näher befassen will, könnte es also ganz nützlich sein.
Worum geht es überhaupt?
In den letzten Jahren haben einige Physiker
Experimente angestellt, in denen Überlichtgeschwindigkeiten
gemessen wurden. Andererseits sagt die spezielle Relativitätstheorie
(SRT)
Albert Einsteins, daß die Lichtgeschwindigkeit (allgemein mit c
bezeichnet) das absolute
Tempolimit für die Bewegung von Materie und für die Übertragung
von Informationen ist. Wird Information schneller als mit Lichtgeschwindigkeit
übertragen, dann kommt es zu merkwürdigen Effekten, z.B. sieht
es für einige Beobachter so aus, als sei das überlichtschnelle
Teilchen an seinem Ziel angekommen, bevor es überhaupt ausgesendet
wurde (Verletzung der Kausalität).
Wie das zustande kommt, steht in der einführenden Literatur
zur SRT. Ist die SRT jetzt also widerlegt, weil
Überlichtgeschwindigkeiten
gemessen wurden? Das erste Problem mit diesem einfachen Schluß
ist, daß, obwohl in der SRT
Information bzw.
Energie nicht
mit Überlichtgeschwindigkeit übertragen werden kann, bestimmte
Geschwindigkeiten im Zusammenhang mit der Wellenausbreitung die
Lichtgeschwindigkeit durchaus überschreiten dürfen. So dürfen
die Phasengeschwindigkeit und sogar die
Gruppengeschwindigkeit oder die Schwerpunktsgeschwindigkeit
eines Wellenpakets durchaus größer als die Lichtgeschwindigkeit sein
(diese Begriffe werden in einführenden Physikliteratur
erklärt).
Die Geschwindigkeit des Signal`anfangs' - dem ersten Anzeichen
dafür, daß da überhaupt eine Welle kommt -, die
sogenannte
Frontgeschwindigkeit muß dagegen immer
kleiner als die LG sein.
Detaillierte Untersuchungen zu dieser Fragestellung und den Rollen der
einzelnen Geschwindigkeiten finden sich in dem
klassischen Buch
- Brillouin, L. 1960 Wave Propagation and Group Velocity.
NY: Academic Press.
Eine Übersicht findet sich z.B. im Kapitel 2.3 von
- Sexl, Roman & Helmuth Urbantke 1992:Relativität, Gruppen,
Teilchen. Wien/New York: Springer.
Informationen zum quantenmechanischen Tunneleffekt an sich
finden sich in der Einführungsliteratur zur Quantenmechanik.
Ein Kennzeichen der Diskussion um die Überlichtgeschwindigkeiten
ist es, daß die experimentellen Ergebnisse selber kaum umstritten sind,
umso mehr dafür ihre Interpretation. Einigkeit besteht darüber,
daß in keinem der Experimente Frontgeschwindigkeiten größer
als Lichtgeschwindigkeit gemessen wurden, und daß es somit keine
Widersprüche zur Einstein-Kausalität bzw. zur Grundlage der
SRT, nach der Frontgeschwindigkeiten die Lichtgeschwindigkeit nicht
überschreiten dürfen, gibt.
Die Diskussion, wieviel Zeit
denn nun ein Teilchen zum Tunneln durch eine Barriere benötigt,
begann etwa in den dreißiger Jahren und ist wohl auch heute noch nicht
ganz abgeschlossen. Diese Problematik betrifft dabei sowohl "echte"
quantenmechanische Tunnelexperimente, wie die von der Forschergruppte in
Berkeley um Raymond Chiao,
als auch eigentlich klassische Experimente mit Mikrowellen in Wellenleitern,
wie die von Günter Nimtz und Mitarbeitern.
Einen Überblick über die Diskussion
(inklusive vielfältiger Verweise auf die entsprechende Literatur)
liefert
- Hauge, E.H. & Støvneng 1989, Review of Modern Physics
61, S. 917--936.
Die Forschergruppe um Raymond Chiao in Berkeley hat ihre
Forschungsarbeit auf
beschrieben.
Ein
Experiment, indem ein einzelnes Photon eine Barriere durchtunnelte
und seine Tunnelgeschwindigkeit (die allerdings keine Signalgeschwindigkeit
ist) 1.7 c betrug, ist beschrieben in
- Steinberg, A.M., Kwiat, P.G. & R.Y. Chiao 1993: "Measurement
of the Single-Photon Tunneling Time" in Physical Review Letter
71, S. 708--711
Artikel über die Ausbreitung von Wellenpaketen, die zwar schneller
als Lichtgeschwindigkeit stattfindet und bei der sich die Wellen von
dem speziellen Ausbreitungsmedium sogar noch zusätzliche Energie
borgen (was die Situation onch verkompliziert), bei der aber die
Kausalität trotzdem nicht verletzt, sind
- Chiao, R.Y. 1993: "Superluminal (but causal) propagation of
wavepackets in transparent media with inverted atomic populations"
in Phys. Rev. A 48, B34.
- Chiao, R.Y. 1996: "Tachyon-like excitations in inverted two-level
media" in Phys. Rev. Lett. 77, 1254.
Speziell zur Tunnelzeit-Problematik hat Aephraim Steinberg,
der mit Chiao zusammenarbeitet,
zwei papers geschrieben, die auch online
zur Verfügung stehen:
Auch andere papers der Berkeley-Gruppe um Raymond Chiao
gibt es online, so z.B.
Frühere Experimente von Günter Nimtz von der
Universität
Kön, mit dessen Experimenten sich die jüngeren Zeitungsartikel
zum Thema Überlichtgeschwindigkeit vor allem beschäftigen,
sind in
- Enders, A. und G. Nimtz 1993, "Evanescent-mode propagation and
quantum tunneling" in Phys. Rev. E 48,
S. 632-634.
- Enders, A. und G. Nimtz 1993, J. Phys. I (France)
3, S. 1089
- Nimtz, G. et al. 1994: "Photonic Tunneling Times" in
J. Phys. I (France) 4, 565.
beschrieben. Die Äquivalenz zwischen diesen Mikrowellenexperimenten
und dem quantenmechanischen Tunneln ist beschrieben in
- Martin, Th. und Landauer, R. 1991: "Time delay of evanescent
electromagnetic waves and the analogy to particle tunneling" in
Phys. Rev.
A 45 , S. 2611-2617.
Als Reaktion auf diese Veröffentlichungen erschienen eine Anzahl
von Artikeln, die sich damit beschäftigten a) warum in diesen
Experimenten die Kausalität nicht verletzt wird und b) wie die
Ergebnisse der Experimente zu erklären sind:
- Deutch, J.M. und F.E. Low 1993: "Barrier Penetration and
Superluminal Velocity" in Ann. Phys. (NY)
228, S. 184-202.
- Hass, K. und P. Busch 1994: "Causality of superluminal barrier
traversal" in Phys. Lett.
A 185, S. 9-13.
- Landauer, R. und Th. Martin 1994: "Barrier interaction time
in tunneling" in Rev. Mod. Phys.
66, S. 217-228.
- Azbel, M. Y. 1994: "Superluminal Velocity, Tunneling Traversal
Time and Causality" in Solid State Comm.
91, S. 439-441.
Eine leichter zugängliche Beschreibung einiger der Tunnelexperimente
ist ein
Artikel, den Nimtz über seine Experimente in den Physikalischen
Blättern (der Zeitschrift der Deutschen Physikalischen
Gesellschaft) geschrieben hat,
- Nimtz, G. 1993: "Instantanes Tunneln - Tunnelexperimente mit
elektromagnetischen Wellen" in Phys. Bl.
49, S. 1119-1120.
Widerspruch gegen Nimtzs Interpretation seiner Messungen findet sich vier
Hefte später: Dort rechnen P. Thoma und Th. Weiland von der TH
Darmstadt vor, wie sich Nimtzs
Ergebnisse mit der klassischen Maxwellschen Theorie des Elektromagnetismus
erklären lassen (und dass insbesondere kein Energie/Informationstransport
mit v > c erfolgt),
- Thoma, P. und Weiland, T. 1994: "Wie real ist das Instantane
Tunneln" in Phys. Bl. 50, S. 313 und 360.
Als ergänzende Literatur zum Thema Wellenausbreitung in Hohlleitern
verweisen Thoma und Weiland auf
- Piefke, G. 1971: Feldtheorie I, BI-Hochschultaschenbuch
Bd. 771 (Abschnitt 7.1.3.5: Energietransport/Energiegeschwindigkeit
fü Wellen im Hohleiter)
- Piefke, G. 1985: Aufgaben mit Lösungen zur Feldtheorie
Teil 2, Fachgebiet Theoretische Elektrotechnik, TH Darmstadt
(Aufgabe 4).
Im gleichen Band der Phys. Bl. findet sich auch ein Leserbrief
von G. Eilenberger, der zeigt, inwiefern Nimtzs Interpretation mit
dem derzeitigen physikalischen Verständnis in Konflikt steht,
- Eilenberger, G. 1993: Leserbrief in Phys. Bl.
50, S. 360/61.
Eine Stellungnahme von Nimtz, in der dieser zugibt, seine Experimente
verletzten die Einstein-Kausalität nicht, zusammen mit
zusammenfassenden Bemerkungen zu den
Kausalitätsüberlegungen bezüglich seiner Experimente
findet sich in
- Heitmann, W. und G. Nimtz 1994: "On causality proofs of superluminal
barrier traversal of frequency band limited wave packets" in Phys.
Lett. A 196, S. 154-158.
Zu den jüngeren Experimenten von Nimtz, insbesondere zum
Tunneln von Teilen der 40. Sinfonie von Mozart mit 4,7facher
Lichtgeschwindigkeit, über die in den Pressenachrichten
vor allem berichtet wurde: s.u. im Abschnitt
Ergänzungen.
Zum Problem der Tunnelzeiten gibt es ein paar neuere online-Artikeln
im Quantum Physics-archiv, und zwar
Ergänzungen: (5.5.99)
- Aichmann, H., G. Nimtz und H. Spieker: "Photonische Tunnelzeiten:
sunb-- und superluminales Tunneln" in Verhandlungen der Deutschen
Physikalischen Gesellschaft 7, 1995,
S. 1258.
Dieser kurze Abstract eines Konferenzvortrages ist
meines Wissens die einzige Veröffentlichung direkt zum Tunneln
der Mozartsinfonie, die allerdings keine Details berichtet.
Wesentlich ergiebiger ist der nachfolgende Artikel:
- Nimtz, G. und W. Heitmann: "Superluminal Photonic Tunneling and
Quantum Electronics" in Progress in Quantum Electronics
21(2) (1997), S. 81-108.
Enthält eine Darlegung der Nimtzschen
Interpretation seiner und ähnlicher Tunnelexperimente.
- Chiao, R.Y. Chiao und A.M. Steinberg: "Tunneling Times and
Superluminality" in Progress in Optics
XXXVII (1997), S. 345-405.
Gute Beschreibung des "konventionellen"
Standpunktes, nach dem bei den Tunnelexperimenten keine
überlichtschnelle Informationsuml;bertragung stattfindet.
- Mitchell, M.W. und R.Y. Chiao: "Causality and negative group
delays
in a simple bandpass amplifier" in American Journal of
Physics
66(1) (1998), S. 14-19.
Schildert eine einfache Anordnung, anhand derer sich
verstehen läßt, wie überlichtschnelle - oder gar
negative - Gruppen- und "Signal"-Geschwindigkeiten entstehen
könenn, ohne, daß die Kausalität verletzt oder
überlichtschnell Information übertragen wird.
- Diener, G.: "Superluminal group velocities and information
transfer" in Physics Letters
A223 (1996), S. 327-331.
Allgemeiner Artikel über den Effekt der
Pulsverformung, der in der konventionellen Interpretation die
überlichtschnellen (bzw. negativen) Gruppengeschwindigkeiten
erklärt.
Weitere Ergänzungen: (29.1.2001)
Die folgenden Zitate schließen eine wichtige Literaturlücke; es handelt
sich um die Beiträge zu den Proceedings des Workshops "Superluminal(?)
Velocities: Tunneling time, barrier penetration, non-trivial vacua,
philosophy of physics", organisiert von F. W. Hehl, P. Mittelstaedt und
G. Nimtz, der vom 6. bis 10. Juni 1998 in Köln stattfand.
I. Evanescent mode propagation and simulations
- A.M. Steinberg et al.: "An atom optics experiment to investigate
faster-than-light tunneling" in Annalen der Physik (Leipzig),
7 (1998), S. 593-601.
- M. Büttiker und H. Thomas: "Front propagation in evanescent media"
in Annalen der Physik (Leipzig),
7 (1998), S. 602-617.
- G. Nimtz: "Superluminal signal velocity" in Annalen der Physik
(Leipzig), 7 (1998), S. 618-624.
- A. A. Stahlhofen und H. Druxes: "Observable tachyons in the tunneling
regime?" in Annalen der Physik (Leipzig),
7 (1998), S. 625-630.
- X. Chen und C. Xiong: "Electromagnetic simulation of the evanescent mode"
in Annalen der Physik (Leipzig),
7 (1998), S. 631-638.
- G. Diener: "Energy balance and energy transport velocity in dispersive
media" in Annalen der Physik (Leipzig),
7 (1998), S. 639-644.
- H. D. Dahmen et al.: "Quantile motion of electromagnetic waves in
wave guides of varying cross section and dispersive media" in
Annalen der Physik (Leipzig),
7 (1998), S. 645-653.
- E. Capelas de Oliveira und W. A. Rodrigues Jr.:"Superluminal electromagnetic
waves in free space" in Annalen der Physik (Leipzig),
7 (1998), S. 654-659.
II. Superluminal quantum phenomena
- F. E. Low: "Comments on apparent superluminal propagation" in
Annalen der Physik (Leipzig),
7 (1998), S. 660-661.
- C. R. Leavens und R. Sala Mayato: "Are predicted superluminal tunneling
times an artifact of using the nonrelativistic Schrödinger equation?"
in Annalen der Physik (Leipzig),
7 (1998), S. 662-670.
- J. G. Muga und J. P. Palao: "Negative time delays in one dimensional
absorptive collisions" in Annalen der Physik (Leipzig),
7 (1998), S. 671-678.
- S. Brouard und J. G. Muga: "Transient increase of high momenta in quantum
wave-packet collisions" in Annalen der Physik (Leipzig),
7 (1998), S. 679-686.
- C. Bracher und M. Kleber: "Minimum tunneling time in quantum motion"
in Annalen der Physik (Leipzig),
7 (1998), S. 687-694.
- D. Kreimer: "Locality, QED and classical electrodynamics"
in Annalen der Physik (Leipzig),
7 (1998), S. 695-699.
- K. Scharnhorst: "The velocities of light in modified QED vacua"
in Annalen der Physik (Leipzig),
7 (1998), S. 700-709.
- P. Mittelstaedt: "Can EPR-correlations be used for the transmission of
superluminal signals?" in Annalen der Physik (Leipzig),
7 (1998), S. 710-715.
- G. C. Hegerfeldt: "Instantaneous spreading and Einstein causality in
quantum theory" in Annalen der Physik (Leipzig),
7 (1998), S. 716-725.
- G. F. Melloy und A. J. Bracken: "The velocity of probability transport in
quantum mechanics" in Annalen der Physik (Leipzig),
7 (1998), S. 726-731.
- H. M. Krenzlin et al.: "Wave packet tunneling" in Annalen
der Physik (Leipzig),
7 (1998), S. 732-736.
III. Causality, superluminality and relativity
- P. Weingartner: "Causality in the natural sciences"
in Annalen der Physik (Leipzig),
7 (1998), S. 737-747.
- U. Schelb: "On the role of a limiting velocity in constructive spacetime
axiomatics" in Annalen der Physik (Leipzig),
7 (1998), S. 748-755.
- V. Gasparian et al.: "On the application of the Kramers-Kronig
relations to the interaction time problem"
in Annalen der Physik (Leipzig),
7 (1998), S. 756-763.
- E. Recami et al.: "Superluminal microwave propagation and
special relativity" in Annalen der Physik (Leipzig),
7 (1998), S. 764-773.
- H. Goenner: "Einstein causality and the superluminal velocities of
the Cologne microwave experiment" in Annalen der Physik (Leipzig),
7 (1998), S. 774-782.
Noch eine Ergänzung:
(29.8.2001)
...die eigentlich schon viel früher hierher gehört hätte:
Einführende Informationen auf einfachem Niveau (aber mit einigen
Formeln) gibt